Bad Ragaz, 8. bis 15. Februar 2019
Artist in Residence: Nuron Mukumi, Klavier


13.02.2019

Nuron Mukumi spielte in allen Facetten

Presse-Mitteilung VP Bank Classic Festival Bad Ragaz 2019

 

Nuron Mukumi spielte in allen Facetten

„Artist in Residence“ beweist seine Qualität beim VP Bank Classic Festival Bad Ragaz

 

Bislang war das VP Bank Classic Festival (zuvor Festival Next Generation) ein wahres Sprungbrett für die jungen Solisten und Kammermusiker, die der Intendant Drazen Domjanic als „Artist in Residence“ zum Festival eingeladen hat. Schon bald waren diese Solisten auf großen Bühnen zu hören, bekamen Verträge bei den größten Schallplattenfirmen – machten ihren Weg in der Musikwelt aufgrund ihrer musikalischen Qualität. In diesem Jahr nun hatte man den aus Usbekistan stammenden, 22-jährigen Pianisten Nuron Mukumi mit der Aufgabe als „Artist in Residence“ betreut. Schon beim Eröffnungskonzert hatte er mit dem Klavierkonzert d-Moll von Wolfang Amadeus Mozart bewiesen, dass er ein bereits „erwachsener“ Solist ist. Bei seinem Konzert am Mittwoch (13. 2.) im Bernhard-Simon-Saal im Grand Resort Bad Ragaz stellte er sich nun mit reinem reinen Soloprogramm und als Kammermusiker vor. Mit der Programmauswahl hatte er es sich nicht leicht gemacht: denn Franz Liszts drei Charakterstücken unter dem Begriff „Venezia e Napoli“ wählte er ein verinnerlichtes Spätwerk des Komponisten von 1859. Diese Stücke mit „Gondoliera“ (auf ein venezianisches Gondellied), „Canzone“ (auf ein Thema aus Rossinis Oper „Othello“) und der virtuos anschließenden „Tarantella“ zeugen von Liszts Wissen um alle unterschiedlichen Kunstbereiche. Sie zu spielen bedeutet, in das Wissen des Meisters einzutauchen, will man sie nicht oberflächlich wirken lassen. Dies gelang Mukumi perfekt, denn er nutzte die Gelegenheit aufzuzeigen, wie sehr Liszts es fertigbrachte lautmalerisch die Inspirationen des Gondelfahrens mit dem Gesang des Gondoliere zu verbinden. Und in der Canzona wusste der junge Pianist sich nicht zu sehr auf das bei Liszt so typischen „Füllmaterial“ an Noten zu fixieren, sondern die Gesangsstimme auszuformen. Der klug gewählte, direkte Übergang in die „Tarantella“ war gut und sensibel gestaltet. Famos die virtuose Seite dieses voll schwerster Tonrepetitionen gespickten Stücks, das Nuron Mukumi an den Tag legte.

Natürlich ist die berühmte „Appassionata“, die Klaviersonate Op. 23 f-Moll, von Ludwig van Beethoven von anderem Holz geschnitzt. Und es bedeutet als junger Pianist ein Wagnis einzugehen, da fast jeder Klassik-Liebhaber die eine oder andere Interpretation im Ohr haben dürfte. Für Mukumi stand von Anbeginn die dramatisch-geschlossene Gestaltung im Vordergrund. So ging er hohe Risiken ein, den Atem zu halten, das facettenreiche Werk in seinen Sätzen zusammenzuhalten – nicht immer ganz fehlerlos. Doch wen interessierte das in Hinblick auf das gesamte Ergebnis hoher dramatischer Ausformung. Gut auch das von ihm gewählte, schreitende Tempo des 2. Satzes und der dynamisch geschickte Aufbau des 3. Satzes. Mukumi bewies, dass er als „Artist in Residence“ eine gute Wahl für das VP Bank Classic Festival war.

Nach der Pause stand dann das große Klavierquartett g-Moll Nr. 1 von Johannes Brahms auf dem Programm, ein überschäumendes Jugendwerk des gerade einmal 23-jährigen, mit dem er fünf Jahre lang gehadert hatte. Doch dann kam die Uraufführung 1861 mit Clara Schumann am Klavier in Hamburg, der Heimatstadt des Komponisten. Seither ist es ein aus der Literatur nicht mehr wergzudenkendes Werk. Gemeinsam mit Sara Domjanic (Violine), Isidora Timotijevic (Viola) und Victor Garcia Garcia (Cello) machte sich Mukumi ans Werk. Doch zu Beginn waren die vier jungen Musiker – gleichsam wie Brahms es fünf Jahre lang war – scheinbar noch auf der Suche nach dem gemeinsamen Ausdruck, blieb alles ein wenig statisch. Nach und nach fanden sie zueinander, begannen sich behände und fließend in die Welt von Brahms einzuleben, waren überschwänglich im 2. Satz, fühlten der aufkeimenden Tragik im 3. Satz nach und vermochten die wunderbar simplen Melodien sich zu überlassen, ohne ihnen Gewalt durch übergestülpte Bedeutung anzutun. Die vier verzagten, schwelgten und liessen ihren Emotionen in dem wunderbar von Zigeunerweisen durchwirkten vierten Satz freien Lauf mit irrwitzigen Tempi. Nuron Mukumi hatte sich einmal mehr als wunderbarer Kammermusiker bewiesen, aber ihm war auch bewusst, dass er diesen Erfolg nicht ohne seine ebenso brillanten Mitmusiker hätte ernten können. Ein Abend, der das Publikum zu Recht jubeln ließ.

 

Abdruck honorarfrei – Belege erbeten!

Weitere Informationen unter:

 

Festivalverein NEXT GENERATION

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Taminastrasse 4 / CH-7310 Bad Ragaz

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Tel.: +41 (0) 78 231 11 22

 

© Andreas Domjanic

 

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